Hackordnung. Versuch eines meditativen Zugangs zum Wesen der neoliberalen Gesellschaft.
Der Titel Hackordnung ist ein Wortspiel mit dem Begriff aus der Verhaltensbiologie und dem Holz Hacken als technischen Vorgang in den Skulpturen. Das Innere des Rundholzes ist mit gespalteten und gesägten Oberflächen gestaltet. Das Öffnen der mehrteiligen Skulptur hebt die vordergründige Übersicht auf. Um das Rundholz wieder ordentlich zusammen zu fügen, braucht es einwenig Aufmerksamkeit und Zeit.
1995 machte ich die erste fünfteilige Skulptur. Bis zur zweiten Skulptur mit dem Titel Hackordnung vergingen mehr als zwanzig Jahre. Ich habe das an verschiedenen Rundhölzern in Längen von wenigen Zentimetern bis zu 95 cm variiert.

Hintergrund
„Politik ist kein Wahrheitsbetrieb, sondern handelt vom Austauschprozess angesichts divergierender Interessen.“ James M. Buchanan, neoliberaler Ökonom.
Politik und Regierungsgeschäfte sind geheim. Sie geschehen versteckt vor den Augen der Öffentlichkeit. Die Öffentlichkeit soll die Politik wie im Mittelalter nur von aussen sehen und sie braucht sich dafür nicht zu interessieren.
Der politische Flüchtling Edward Snowden, Jahrgang 1983, sagte 2016 in einem Gespräch in Moskau: «In einer Demokratie geht es nicht um das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung , sondern um die Mitbestimmung der Bevölkerung bei den Beschlüssen, die den Staat betreffen.»
Der soziologische Begriff „Simulative Demokratie“ beschreibt das spezielle Machtgefüge demokratischer Staaten an der Schwelle zur Oligarchie und beinhaltet u.a. die Beobachtung, dass die Bürgerinnen und Bürger glauben, in einem Kundenverhältnis zum Staat zu stehen, oder wie die Aktionäre eines Unternehmens am „Gewinn“ der Staatsgeschäfte beteiligt zu sein.
Hackordnungstheorie
Die in der Wirtschaftswissenschaft kursierende Hackordnungstheorie (Pecking order theory) handelt von der unternehmerischen Vorgehensweise bei der Kapitalisierung von Firmen und Projekten. Ein Eckpunkt der Hackordnungstheorie ist der asymmetrische Wissensstand zwischen dem Management auf der einen und den Eigentümern einer Firma auf der anderen Seite: die aktuellen Informationen zu Produktion, Finanzierung, Gewinnaussichten, Risikofaktoren, Vermögenswerte, Lieferketten des Unternehmens usw. sind nur dem Management bekannt. Die profitorientierten Eigentümer (z. B. Aktionäre) verzichten aus Kostengründen auf die Informationen zu den laufenden Unternehmungen. Und ihrem Unwissen entsprechend verzichten sie auch auf die Mitbestimmung in der Firma.
Diese in der Hackordnungstheorie beschriebene Asymmetrie der Information zwischen den Eigentümern und den Managern einer Firma in der kapitalistischen Wirtschaft hat sich im neoliberalen Selbstverständnis auf die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger an den Staat und die Regierung abgefärbt. Krasse Informations-Asymmetrie zwischen den Regierungen der UNO-Mitgliedsstaaten und deren Staatsbürgern ist die Regel. Die Öffentlichkeit erwartet von der neoliberalen Politik keine Transparenz. Die neoliberale Haltung zur Demokratie meidet Transparenz und spaltet die Gesellschaft mangels aristokratischer Legitimität entlang militaristisch-hierarchischer Linien.
Wie sieht etwas von innen aus, das nur von aussen zu sehen ist? Bezogen auf meine «Hackordnung» -Skulpturen zeigt die Aussenseite der zusammengefügten Rundhölzer mit den rechtwinklig angelegten Linien eine andere Wirklichkeit als die losen Einzelteile nebeneinander gereiht.
